Xosé Tarrio - Hau ab, Mensch!

xose tarrio hau ab mensch Wir freuen uns endlich die deutschsprachige Version des Xosé Tarrío Buches vorlegen zu können.
Autor dieses Buches ist Xosé Tarrio. Er hat 17 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbringen müssen und dabei immer gegen das spanische Knastsystem angekämpft. Den Großteil seiner Zeit überlebte er unter FIES, Anfang des Jahres 2005 schaffte es der spanische Staat mit Hilfe des FIES-Knastes, Xosé unter diesen unmenschlichen Umständen qualvoll zu töten.
Seine Knastzeit hat ihn politisiert und er sich daraufhin als Anarchist bezeichnet. Seine Geschichte ist nur eine von vielen Geschichten von sozialen Gefangenen, welche sich durch den Knast politisierten und das ganze System in Frage stellen.
Xosé war ein Kämpfer und hat immer versucht weiter zu kämpfen, obwohl er eingesperrt war. Er hat nie aufgegeben, unterstützte Revolten und Aufstände und beteiligte sich auch aktiv daran. Mit mehreren Ausbruchsversuchen wollte er sich selbst aus der Isolation befreien, bei einem dieser war er erfolgreich.
Das Buch verdeutlicht sehr eindrucksvoll was Knast bedeutet, wer tatsächlich dort landet, was FIES heißt (die spanische Version der deutschen Isolationshaft, um es extrem verkürzt darzustellen) und das auch im Knast der Kampf weitergeht.
Neben seiner Geschichte sind zwei andere Texte im Buch zu finden: ein Vorwort von Gabriel Pombo da Silva, einer der Aachen4-Gefangenen (mehr Infos dazu unter: www.escapeintorebellion.info + www.abc-berlin.net). Gabriel war ein enger Freund von Xosé, außerdem gibt es ein Interview mit Gabriels Mutter und der von Xosé, welche beide als Angehörige über ihre Erfahrungen berichten.
Diese Publikation ist das erste Buch, welches seit langer Zeit wiedereinmal die Themen FIES und Knastkampf in Spanien in der deutschen Sprache thematisiert. Dadurch hoffen wir, dass sich verschiedenste Menschen inspiriert fühlen dieses wichtige Thema aufzugreifen und sich aktiv an der Antiknastarbeit und Gefangenenunterstützung beteiligen werden.
Alle Einnahmen aus dem Verkauf werden in die Gefangenenunterstützung fließen.
Am 09.04 wird es um 19 Uhr im Meringhof, Veranstaltungraum, eine Infoveranstaltung mit Xosés Mutter stattfinden.
Der Buch kostet zehn Euro und ist unter mail@abc-berlin.net zu bestellen, sonst in etliche Buch- und Infoläden zu finden.


Am 09. April wird Xosé's Mutter für eine Infoveranstaltung unf Buchvorstellung in Berlin sein. Ab 19 Uhr im New Yorck59 am Mariannenplatz in Kreuzberg, nähe U-Bhf. Görlitzer Tor und Kottbusser Tor.

Achtet auch auf die Ankündigungen für andere Städte.


Hau ab, Mensch -- eine Rezension

Wenn Nelson Mandela davon sprach, das Gefängnis beraube den Menschen nicht nur seiner Freiheit, sondern suche auch ihm die Identität zu nehmen, dann legt das hier zu besprechende Buch von Xose' Tarrio, der 2005 in Spanien starb, Zeugnis davon ab, wie Gefangene ihre Identität verteidigen und trotz unmenschlicher, trotz erniedrigender Behandlung und Folter ihr Mensch sein bewahren.

Zehn Jahre brauchte es, bis das im Original in Spanien ("Huye, hombre, huye. Diario de un preso FIES") 1997 erschienene bibliografische Buch von Xose' nun in deutscher Übersetzung vorliegt: "Hau ab, Mensch!".

Auf über 300 Seiten berichtet Xose' von den einzelnen Gefängnissen, in denen er im Verlaufe vieler Jahre festgehalten, geschlagen, in Handschellen gelegt wurde. Dies ist der äußere Rahmen und ist schon lesenswert genug, wird doch die zerstörerische Wirkung der Institution Gefängnis deutlich. Ebenso faszinierend und ungleich mehr von Bedeutung ist jedoch die innere Entwicklung Xose' Tarrios zu verfolgen. Er, der mit 19 Jahren eine anderthalbjährige Strafe antreten soll und am Ende ein Strafmaß von 71 (!) Jahren vor sich hat, als er 2004 ins Koma fällt und Anfang 2005 stirbt.

Geprägt von vielen Jahren in Heimen und Erziehungsanstalten, ist er gewohnt, sich gegen die Umstände, auf die er im Gefängnis trifft,
aufzulehnen -- und landet unversehens in Isolationshaft.
Das Buch erzählt, orientiert an den einzelnen Gefängnissen, in die er verlegt wird, die Entwicklung hin zu einem anarchistischen Menschen, voller Wut ebenso, wie voller Liebe. Es erzählt von Solidarität unter den Inhaftierten und ihren Aufständen -- aber auch von der Enttäuschung durch Verrat.

Auf Xose's Schilderungen passt gut der Satz des Anarchisten Erich
Mühsam: "Trotz allem Mensch sein, wär's auch mit dem Messer!".
Wo immer er die Möglichkeit hatte, las Xose's Bücher über Politik,
Literatur, Philosophie und diskutierte mit seinen Leidensgenossen über das, was sie gelesen hatten. Je mehr sich der innere Horizont
erweiterte, umso mehr revoltierten er und die anderen Gefangenen gegen die Mauern und die unmenschlichen Haftbedingungen.

Eine Übersetzung ist stets ein Wagnis, aber dem Übersetzer ist es
exzellent gelungen, die bilderreiche und kraftstrotzende Sprache Xose' Tarrios in das Deutsche zu übertragen.

Eingerahmt wird das Buch von einem Vorwort Gabriel Pombo da Silvas und einem Anhang mit einem Interview, das im Juni 2005 mit den Müttern von Xose' und Gabriel geführt wurde. Gabriel, selbst spanischer Anarchist, verbüßt zurzeit eine lange Haftstrafe in Aachen. Er lässt sich auch dort nicht mundtot machen und setzt den Kampf für eine Gesellschaft ohne Knäste ebenso fort, wie die Mutter Xose's. Gerade der Umstand, dass am Ende die Mütter der beiden Gefangenen zu Wort kommen (wo hört man denn sonst, dass sich Mütter von Inhaftierten öffentlich äußern?) trägt zum Gelingen dieses empfehlenswerten Buchs bei.

Bibliografische Angaben:
Xose' Tarrio, "Hau ab, Mensch!", 408 Seiten
ohne ISBN, zu beziehen über:
Buchladen König Kurt
c/o AZ Conni e.V.
Rudolf-Leonhard-Str. 39
D-01097 Dresden
Tel. 0351 -- 81 15 110, email: Koenig-Kurt@free.de,
www.free.de/Koenig-Kurt
Preis: 10 Euro, zzgl. Versandkosten

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